Kritik am Chef? So machen Sie es richtig.

Eine bestimmte Situation am Arbeitsplatz oder eine Entscheidung Ihres Chefs macht Ihnen zu schaffen? Kritik ist natürlich nicht verboten – doch um Erfolg zu haben, muss sie richtig vorgebracht werden.

Kritik zu äussern, ist eine delikate Angelegenheit. Das gilt in der Beziehung, im Fussball-Club, beim Jassen und ganz besonders im Beruf, wenn Sie mit der Chefin oder dem Chef sprechen. Denn hier kann das falsche Vorgehen einschneidende Konsequenzen haben, von einem schlechteren Arbeitsklima bis hin zu einer Kündigung, falls Sie sich komplett in der Wortwahl vergreifen. Dennoch gibt es Situationen, in denen Kritik durchaus gerechtfertigt sein kann – und einfach «Aussitzen» erweist sich langfristig als die falsche Lösung. Ebenso unsinnig wäre es, vor versammelter Mannschaft demonstrativ die Arme zu verschränken und wortlos, aber eben deutlich spürbar Ihre Ablehnung zu bekunden. Wenn Sie etwas verändern möchten, müssen Sie das Thema ansprechen. Doch zuvor empfehlen sich einige Überlegungen.

Fragen, bevor Sie Kritikpunkte ansprechen

  1. Wann ist der richtige Zeitpunkt, um Kritik an Vorgesetzten anzubringen? In jedem Fall ganz sicher nicht, wenn Sie sich gerade über etwas geärgert haben und das Adrenalin hochkocht. Zu lange warten hilft jedoch auch nicht weiter. Das altbekannte «einfach mal darüber schlafen» wirkt oft Wunder, um einen klaren Kopf zu bekommen. Anschliessend suchen Sie nach dem passenden Moment für ein Gespräch, oder noch besser: Vereinbaren Sie einen Termin dafür.

  2. Was möchten Sie eigentlich erreichen? Dieser Gedanke schliesst nahtlos an Frage 1 an. Nur Dampf abzulassen und zu «motzen», erweist sich am Ende unter Garantie als kontraproduktiv. Solange Sie nicht wissen, was sich eigentlich ändern soll, wird ein Gespräch keine Früchte tragen. Deswegen gilt: Legen Sie ein Ziel fest, das Sie erreichen möchten, und machen Sie einen Plan, wie Sie dabei vorgehen.

  3. Haben Sie auch mal die Perspektive gewechselt? Das funktioniert nicht über den Ansatz «Ich als Chef würde alles anders machen!», sondern indem Sie wirklich versuchen, die Position und die Beweggründe Ihres Gegenübers zu verstehen. «Weshalb handelt er oder sie so»? Diese Frage kann einer offenen Unterhaltung eine völlig neue Dynamik geben.

Kritik «richtig» vorbringen

Zugegeben: Den einen richtigen Weg gibt es dabei nicht, deswegen auch die Anführungszeichen. Schliesslich haben wir alle unterschiedliche Persönlichkeiten und keine Situation ist exakt gleich wie die andere. Dennoch erweisen sich einige grundlegende Verhaltensweisen als sinnvoller als andere. Diese Punkte werden Ihnen bei der Vorbereitung auf Ihr Gespräch helfen:

  1. Wenn Unzufriedenheit oder Kritik gegenüber Vorgesetzten anbringen möchten, dann immer mündlich und unter vier Augen. Denn schriftliche Aussagen kommen häufig «kantiger» herüber, als sie eigentlich gemeint waren. Ausserdem bleiben sie dokumentiert und können Ihnen auch in anderem Zusammenhang noch zum Nachteil werden. Mithören sollte das Gespräch definitiv niemand, das verändert die Chemie sofort vollständig. Auch wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, bleibt gegenseitiger Respekt gerade bei heiklen Themen eine absolute Selbstverständlichkeit.

  2. Sachlich, nicht persönlich. Fachlich, nicht emotional. Behalten Sie diese beiden Grundsätze im Kopf – vor allem wenn es darum geht, dass Sie sich nicht korrekt behandelt fühlen. In solchen Fällen hat man schnell ein «Sie machen immer…» auf den Lippen, was das Gespräch aber in eine falsche Richtung lenkt. Versuchen Sie, konkrete Punkte zu nennen, aber ohne sie als Anklage zu formulieren.

  3. Wenn Sie etwas vorzubringen haben, dann ist das allein Ihre Sache. Bringen Sie keine Kolleginnen oder Kollegen ins Spiel, die das «ganz genauso sehen». Am Ende wird das immer dazu führen, dass Sie die Personen entweder nennen müssen, oder dass Ihre Behauptung wie ein Bluff wirkt.

  4. Damit kommen wir zum wichtigsten Punkt von allen: Formulieren Sie Ihre Kritik immer konstruktiv. Zeigen Sie, dass Sie im Interesse des Unternehmens handeln möchten und es nicht einfach darum geht, Recht zu haben. Ein simples Beispiel: Statt einen eingeschlagenen Weg als «falsch» zu bezeichnen, können Sie eine Idee vorbringen, welche «einzelne Schritte bis zum Erreichen des Ziels effizienter macht». Das klingt nicht nur einfach besser, sondern es zeigt, dass Sie sich Gedanken gemacht und nach Lösungen gesucht haben.

Fazit

Sie verbringen an kaum einem anderen Ort so viel Zeit wie an Ihrem Arbeitsplatz. Damit alles rund läuft und das Miteinander funktioniert, muss man offen und ehrlich miteinander kommunizieren. Doch vor allem braucht es den Willen, gemeinsam etwas zu bewirken. Ist dieser vorhanden, lassen sich auch kritische Situation deutlich leichter bewältigen.

Diana Gebauer
beeworx GmbH
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