Austrittsgespräch: Was Unternehmen daraus lernen können

Personalverantwortliche verabschiedet sich nach Austrittsgespräch von einem Mitarbeiter

In einem Austrittsgespräch haben Unternehmen die Gelegenheit, wertvolles Feedback abzuholen und Optimierungspotenziale aufzudecken.

Kritik von Kundenseite hilft Unternehmen dabei, Abläufe zu optimieren und Produkte oder Dienstleistungen zu verbessern. Wenn man einen Kunden verliert, versucht man, den Grund dafür herauszufinden, um daraus zu lernen. Im Grunde handelt es sich bei Kunden-Feedbacks um eine zwar eher unstrukturierte, dafür kostenlose Unternehmensberatung. Etwas weniger im Fokus stehen die Rückmeldungen einer weiteren Gruppe von Personen, die Ihrem Unternehmen den Rücken kehrt: Mitarbeitende, die kurz vor dem Austritt stehen. Austrittsgespräche stellen eine enorme Chance dar, Schwachstellen und damit Optimierungspotenziale aufzudecken. Leider wird diese Gelegenheit noch immer eher selten in vollem Umfang genutzt.

Austrittsgespräch sorgfältig vorbereiten

Damit ein Austrittsgespräch das gewünschte Ergebnis erzielt, will es gut vorbereitet sein. In dieser Hinsicht unterscheidet es sich kaum von einem Vorstellungsgespräch. Legen Sie fest, was Sie von Ihrem Gegenüber in Erfahrung bringen möchten, und erstellen Sie einen entsprechenden Gesprächsleitfaden. Hier einige Anregungen für Fragen, die für Sie spannende Ergebnisse zutage fördern könnten:

Was sind die Gründe für Ihre Kündigung? Diese Frage ist natürlich sehr direkt und führt nicht immer zu einer unmittelbar verwertbaren Antwort. Doch sie verschafft Ihnen in den meisten Fällen einen ersten Eindruck und hilft, die weiteren Antworten besser zu interpretieren.

  • Woran werden Sie gerne zurückdenken?
  • Gab es konkrete Situationen, die Sie enttäuscht haben?
  • Wie beurteilen Sie das Klima in Ihrem Team oder Ihrer Abteilung?
  • Wie beurteilen Sie das Verhältnis zu Ihrem Vorgesetzten?
  • Wie haben Sie sich persönlich und fachlich während Ihrer Zeit bei uns weiterentwickelt?
  • Wie gut konnten Sie eigene Ideen einbringen und umsetzen?
  • Waren Sie mit Ihrem Gehalt zufrieden?
  • Wie hätten wir Sie in unserem Unternehmen halten können?

Sicher ist Ihnen aufgefallen: Die erste dieser Fragen richtet sich ausdrücklich an Mitarbeitende, die selbst gekündigt haben. Alle anderen passen grundsätzlich auch, wenn die Kündigung vom Unternehmen ausgesprochen wurde. Es empfiehlt sich, sorgfältig zwischen diesen beiden Fällen zu unterscheiden. Denn Mitarbeitende, die das Unternehmen nicht auf eigenen Wunsch verlassen, sind unter Umständen verärgert über die Situation, was auch ihre Antworten beeinflusst und verändert. Grössere Unternehmen, die Austrittsgespräche gezielt statistisch auswerten, erfassen die beiden Gruppen deswegen häufig getrennt voneinander. «Verlässlichere» Antworten erhalten Sie sicher von denjenigen Mitarbeitenden, die selbst gekündigt haben.

Konstruktive Basis für jedes Gespräch

Insgesamt liegt es an Ihnen, ein Umfeld für das Gespräch zu schaffen, das möglichst offene und ehrliche Antworten ermöglicht. Erklären Sie vorher, mit wem die Erkenntnisse aus dem Gespräch geteilt werden. Ideal wäre absolute Vertraulichkeit, doch wenn ein Gespräch ausgewertet werden soll, dürfte das eine Illusion sein – was sich auch Ihr Gegenüber ausrechnen kann. Diese Überlegung spielt auch eine Rolle, wenn die Teilnehmer für das Gespräch festgelegt werden. Simpel ausgedrückt: Wenn die oder der direkte Vorgesetzte anwesend ist, können Sie die Frage nach dem Verhältnis zu ihr oder ihm getrost streichen. Denn kaum jemand wird in einer solchen Situation ungehemmt antworten. So banal es klingen mag: Genau aus diesem Grund sollte auch das Arbeitszeugnis bereits vor diesem Gespräch übergeben werden. Schliesslich möchten Sie keine Antworten, die aus Angst vor negativen Konsequenzen schöngefärbt werden.

Womit wir zur letzten und vielleicht wichtigsten Feststellung kommen. Ja, Sie möchten etwas aus dem Austrittsgespräch lernen. Das heisst aber nicht, dass es in diesem finalen Kapitel der Zusammenarbeit nur um Sie geht. Das Austrittsgespräch soll scheidenden Mitarbeitenden die Gelegenheit geben, mit der Situation abzuschliessen und vielleicht noch offene Punkte zu klären. Mit empathischer Haltung und Kommunikation beweisen Sie, dass Sie Ihren Mitarbeitenden auch in dieser Situation Wertschätzung entgegenbringen. Das hat auch direkten Einfluss auf Ihr Standing als Arbeitgeber. Denn einer Sache dürfen Sie sich sicher sein: Wie Mitarbeitende Ihr Unternehmen in Erinnerung behalten, bleibt in Zeiten von Social Media und Online-Bewertungsportalen in den meisten Fällen nicht privat.

Diana Gebauer
beeworx GmbH
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